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Erhaltungspflicht und Nutzung

Für das Bestehen der Pflicht des Vermieters, die Wohnung gem. § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB zum vertragsgemäßen Gebrauch zu überlassen und sie fortlaufend in diesem Zustand zu erhalten, ist es unerheblich, ob der Mieter die Sache tatsächlich nutzt und ihn ein Mangel daher subjektiv beeinträchtigt.

Der Fall zur Erhaltungspflicht

Der Mieter überlässt die Wohnung Dritten, die auch die laufende Miete entrichten. Der Mieter gab an, dass die Wohnung von seiner Tochter und seinem Schwager bewohnt werde und von diesen werde auch die Miete bezahlt.

Die Parteien des Verfahrens streiten u.a. darüber, ob der Mieter zur Minderung der Miete berechtigt ist (Mangelhaftigkeit der Gastherme in der Wohnung).

Gebrauchsüberlassungspflicht ohne Mängel besteht auch, wenn der Mieter die Mietsache nicht (selbst) nutzt.

Die Gastherme muss mangelfrei sein, auch wenn der Mieter die Mietsache nicht selbst nutzt.

Die Berufungsinstanz (Landgericht Frankfurt am Mein) war der Auffassung, dass der Mieter keinen Anspruch auf Feststellung der Minderung habe, die Wohnung sei dem Mieter vertragsgemäß zur Verfügung gestellt worden, so dass die Miete nicht gemindert sei.

Diese Auffassung hat der BGH, was eigentlich nicht verwundern kann, verworfen.[Fußnote 1]

BGH zur Erhaltungspflicht

Da die Wohnung mit Heizung vermietet wurde, schuldet der Vermieter die Versorgung mit Wärme, mithin die Überlassung einer intakten Heizungsanlage und unabhängig von der genauen technischen Ausgestaltung damit auch die Warmwasserversorgung.[Fußnote 2]

Für das Bestehen der Hauptleistungspflicht, nämlich die Wohnung zum vertragsgemäßen Gebrauch zu überlassen und sie fortlaufend in diesem Zustand zu erhalten, sei es unerheblich, ob der Mieter die Mietesache tatsächlich nutzt und ihn der Mangel daher subjektiv beeinträchtigt.[Fußnote 3]

Ob den Mieter (durch die Gebrauchsüberlassung an Dritte) ein vertragswidriges Verhalten anzulasten ist, könne dahinstehen, weil durch eine etwaige Vertragsverletzung des Mieters die Pflicht des Vermieters, die Mietsache in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu erhalten, angesichts des mangels Kündigung fortbestehenden Mietverhältnisses nicht berührt werde.[Fußnote 4]

Die Minderung trete kraft Gesetzes ein (§ 536 Abs. 1 BGB). Daher könne der Vermieter ebenso wie bei der Instandhaltungspflicht nicht mit Erfolg einwenden, der Mieter hätte die Mietsache, auch wenn sie zum vertragsgemäßen Gebrauch tauglich gewesen wäre, doch nicht genutzt.[Fußnote 5]

[Fußnote 1] BGH, Urteil vom 22.08.2018, VIII ZR 99/17.

[Fußnote 2] a.a.O., Rz. 13.

[Fußnote 3] a.a.O., Rz 14.

[Fußnote 4] a.a.O, Rz. 15.

[Fußnote 5] a.a.O, Rz. 19.