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Verstöße gegen das Waffengesetz stören den Hausfrieden

Bewahrt der Mieter rechtswidrig eine Waffe und ein Magazin mit Munition in der von ihm gemieteten Wohnung auf, verstößt er besonders schwerwiegend gegen seine vertragliche Obhutspflicht als Mieter und stört damit den Hausfrieden so nachhaltig, dass die fristlose Kündigung des Mietverhältnisses gerechtfertigt ist.[Fußnote 1]

Rechtswidrige Aufbewahrung einer Pistole nebst Munition rechtfertigt die fristlose Kündigung

Eine Waffe mit Munition in der Mietwohnung kann zur fristlosen Kündigung führen – Bild: (c) dirtdiver38/pixabay.com

Der Fall zum Waffenbesitz

Bei einem Polizeieinsatz wurde in der Wohnung des Mieters eine »scharfe Schusswaffe« gefunden (eine Pistole und ein Magazin mit Munition). Der Mieter wies darauf hin, dass die Waffe nicht geladen gewesen sei. Der Vermieter kündigte wegen des Waffenbesitzes und der Mieter wurde vom Amtsgericht zur Räumung verurteilt. Die Berufung des Mieters blieb erfolglos.

Die Argumentation des LG Berlins

Die Kündigung ist gem. § 543 Abs. 1 Satz 2 BGB und § 569 Abs. 2 BGB wirksam. »Das traditionell restriktive Waffenrecht in Deutschland, das ausweislich § 1 WaffG dem Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dient, regelt nicht nur den Umgang mit Waffen oder Munition, wie deren Erwerb und Besitz, das Führen und die Aufbewahrung, sondern auch die Voraussetzungen, unter denen jemand eine Waffe überhaupt besitzen darf. Es ist kein Anhaltspunkt ersichtlich oder vorgetragen, der auch nur darauf hindeutet, dass die Waffe und die Munition sich erlaubt, das heißt legal in der Wohnung befand, in der immerhin auch Personen lebten und leben, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben« so das LG Berlin.

Durch die rechtswidrige Aufbewahrung einer Waffe und eines Magazins mit Munition in der gemieteten Wohnung verletzt der Mieter besonders schwerwiegend seine vertragliche Obhutspflicht. Gleichzeitig stört der Mieter den Hausfrieden nachhaltig.

Der Mieter kann seine vertraglichen Pflichten auch dadurch verletzten, so das LG Berlin, dass er von der Mietsache einen Gebrauch macht, der geeignet ist, schädigende Einwirkungen Dritter (hier: konkret des Polizeieinsatzes) hervorzurufen. Das gelte im konkreten Fall selbst dann, wenn Ursache des Polizeieinsatzes nicht die Aufbewahrung der Waffe ist. Ein Mieter, in dessen Wohnung eine Straftat nach dem Waffengesetz begangen werde (hier konkret unzulässige Aufbewahrung), müsse ohne Weiteres damit rechnen, dass es zu strafprozessualen Maßnahmen kommen kann. Mit einem solchen Verhalten überschreite der Mieter den ihm aufgrund seiner Mietzahlung zustehenden vertragsgemäß Gebrauch der Mietsache.

Dabei falle (auch) ins Gewicht, dass das Waffengesetz mit seinen strengen Regelungen immerhin dem Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dient; der Hausfrieden in einem Mehrfamilienhaus dürfte ohne Weiteres als Teilbereich derselben anzusehen sein. Der Verstoß gegen die Regelungen des Waffengesetzes werde im Fall einer Schusswaffe nicht als Ordnungswidrigkeit verfolgt, sondern als Straftat.


[Fußnote 1] LG Berlin, Hinweisbeschluss vom 25.06.2018, 65 S 54/18, GE 2018, S. 1060 f.